Kunst - Natur - Wissenschaft

Lernräume als künstlerisches Forschungsfeld und experimentelles Labor.

 

Bereits seit 2013 koordiniere ich zahlreiche fächerübergreifende Schulprojekte zwischen Museum, Schule und der Düsseldorfer Stadtgesellschaft, die sich zwischen Kunst - Natur - Wissenschaft bewegen. Hier stelle ich beispielhaft drei ausgewählte Projekte vor.

 

Meine eigenen künstlerischen Arbeiten zu diesem Themenfeld stelle ich diesen drei Projekten gegenüber.

 

Zudem finden sie eine Auswahl an Audio - und Videodateien, diese können selbst aktiviert werden.


1. Projekt  "Kunst und Alchemie" ein Audioguide für Jugendliche ab 10 Jahren

für das Museum Kunstpalast mit Lehrer*innen aus Kunst, Musik, Deutsch und den Naturwissenschaften des Gymnasium Gerresheim.

 

Im Kunstunterricht haben wir in Kleingruppen an jeweils einem Bild gearbeitet, die ersten Eindrücke gesammelt: Farbe, Form, Licht und Komposition untersucht und uns jeweils über biografische Hintergründe des Künstlers der Zeit, in der er gelebt hat und die Besonderheiten der Kunstepoche informiert. Wir haben versucht, nicht nur in der Methode der klassischen werkimmanenten Bildanalyse vorzugehen, sondern uns dem Bild aus Sicht des Künstlers im Sinne eines Mono- oder Dialoges, auch aus Sicht der dargestellten Personen zu schreiben oder uns auch in frei assoziativer Weise oder Gedichtform dem Bild zu nähern. 

 

Zunächst einmal mussten sie verstehen, in welchem Zusammenhang Kunst und Chemie in den uns vorgelegten Kunstwerken stehen, besonders deutlich wurde dies an dem „Schwammrelief“ von Yves Klein. Hier ein Beispiel Ihres selbst geschriebenen und selbst gesprochenen nutzbaren Audioguides für den Kunstpalast, 2015.

 

 


„Das Licht der Farbe“
nach Yves Klein, das Schwammrelief, 1960

Text von Max, Stufe 8
Stimmen: Peter und Anna, Stufe 6-8,

Gymnasium Gerresheim

Sounddatei, 2 min 15 sec.

 

 

Innerer Monolog des Künstlers:
 
Das Licht der Farbe.
 
Ich träume von einer Farbe die die unergründliche Tiefe des Meeres und die Weite des Himmels ausdrückt. Sie muss sich ausdehnen, lebendig sein, ganz und gar unendlich.
 
Keine Linie darf meine Farbe stören.
Blau ist die Farbe der Sehnsucht und der Ferne.
Blau macht mich frei und entspannt.
Blau ist kostbar.
Jenseits des Meeres, ultramare.

Bei der Herstellung von Farben werden
Künstler zu Alchemisten und Chemikern.
Das Ultramarin wurde ursprünglich aus dem
Halbedelstein Lapislazuli hergestellt.

 


 

„Gespräch der Tiere im Bild“
zwischen Natter, Eidechse, Fröschen und Schildkröte, 2015

Tim, Julia, Sven und Maria, Klasse 8 , Gymnasium Gerresheim,2015
Kunst und Alchemie, Kunstpalast

Paolo Porpora,
Waldbodenstück mit Nattern, Eidechse, Fröschen und Schildkröte,um  1655-1660,
Öl auf Leinwand, National Museum of Wales, Cardif, 52 x 95 cm

 


Der Maler dieses Bildes ist Paolo Porpora (1655), es war Teil der Ausstellung „Kunst und Alchemie“ im Kunstpalast, 2015.
 
Gespräch im Waldbodenstück mit Nattern, Eidechse, Fröschen und Schildkröte


Natter: Der Maler Paolo Porpora hat uns in ein Schattenreich gemalt.
Eidechse: Warum soll ich Schmetterlinge fressen?
Frösche: Es ist ein alchemistisches Bild schon vergessen?
Schildkröte: Kröten sind das Zeichen für die Urmaterie, ohne uns kann sich keine Wandlung vollziehen. Denk daran, Dich gäbe es gar nicht ohne uns.

 


 

Die Alchemie verliert Ihre Bedeutung.

Francois- Marius Granet, „Der Alchemist“, Öl auf Leinwand, 19. Jhd.,
dies war das Titelbild der Ausstellung „ Kunst und Alchemie“, Museum Kunstpalast 2015

Text von Markus, Stufe 9, Gymnasium Gerresheim.
Stimmen: Maria, Sara und Stefan, Stufe 6 und 10.

 

 

Die Alchemie verliert Ihre Bedeutung.
 
Das Bild der Alchemist wurde von Francois Julius Granet gemalt. Der Alchemist steht in einem fast leeren Labor. Man sieht seltsame Geräte mit unterschiedlichen Formen.
 
Die Architektur ähnelt Räumen in älteren Schlössern. Im Mittelalter richteten viele Landesherrn Labore für Alchemisten ein. Sie hofften den Stein der Weisen zu finden und waren an naturwissenschaftlicher Forschung interessiert. Eine Fortsetzung dieser Forschung setzt sich heute in der Medizin, der Chemie und in der Psychologie fort.


 

Für mich war hierbei wichtig zu erkennen, dass Schüler*innen mit diesem Projekt aufgrund der engen inhaltlichen Kooperation der Schulfächer Kunst und Chemie gedanklich die durch Schule reglementierten strengen Fachgrenzen auflösen. Durch das Kennenlernen früher alchemistischer Vorstellungen, bei denen naturwissenschaftliche Phänomene immer auch im philosophischen Kontext gesehen wurden, entstand eine weitere Öffnung, ebenso durch den Blick auf die ganz eigene Ästhetik der naturwissenschaftlichen Experimente und Wunderkammern. Eigene Kompositionen zu den Bildern, Sound-Designs und der Umgang mit Ton und Text in Bezug zum Bild forderten die jugendlichen Kreativen heraus und es entstand eine fachliche Öffnung zwischen Kunst und Chemie bis in die Fächer Deutsch und Musik. Das gesamte Projekt hat sich insgesamt über einen Zeitraum von mehr als einem Schulhalbjahr erstreckt.

Das Knoblauch-Buch, Pflanze als Heilmittel

Anke Lohrer, 2018

Sound: Nils Bovrie, 2020


Plant me a garden, Künstlerbuch

Buch mit Texten, Tuschezeichnungen, Sprühbildern, Sound

Anke Lohrer 2018


2. Projekt: "Stadt der Zukunft,

Mobile Mini-Biotope im öffentlichen Stadtraum"

 

Fächer- und stufenübergreifendes Projekt des Wim-Wenders Gymnasiums

in Kooperation mit der Kunstakademie Düsseldorf und vielen außerschulischen Partner*innen.

 

Jury: Begründung beim „Deutschen Schulpreis Spezial“, 2021


Bilderstrecke  "Stadt der Zukunft"


 

Utopische Stadt- und Naturräume an öffentlichen Plätzen.

Das Wim-Wenders-Gymnasium hat aus dem Fachunterricht Kunst (inkl. Architektur), Musik und Naturwissenschaften (Biologie, Physik und Chemie) der Sek I (Schulstufen 5-8) ein fächerübergreifendes Schulprojekt vorbereitet. Es sind utopische Naturräume an öffentlichen Plätzen in Form von mobilen Mini Biotopen im öffentlichen Stadtraum entstanden. Die Bewältigung der Klimakrise und die Eindämmung Ihrer unvorhersehbaren Folgen sind aus der täglichen Diskussion nicht wegzudenken. Schüler*innen des Düsseldorfer Wim-Wenders-Gymnasiums entwerfen utopische Naturräume an öffentlichen Plätzen, sie entwickeln Visionen, Bilder und Entwürfe utopischer Stadträume sowie Modelle von schattenspendenden und kühlenden Biotopen.

 

3. Projekt: Talentschmiede Künstlerbuch

 

Projektkurs, am neuen Wim-Wenders-Gymnasium, Düsseldorf, der sich im Sinne einer Begabtenförderung über ein Jahr erstreckt. Hier werden eigene Forscherbücher entwickelt, die sich inhaltlich zwischen den Künsten und den Naturwissenschaften bewegen.

Fischebestimmungsbuch, Beau Nana, Stufe 5

Alphaville, eine Maschine, die alle Wünsche erfüllt, Künstlerbuch, 1997 von Anke Lohrer

 

Als (neuen) Düsseldorfer Wim-Wenders-Gymnasiums haben wir im Gründungsteam ein neues Unterrichtsfach entwickelt, das sich als Begabtenförderung versteht: die Talentschmieden, Projektwerkstätten und Meisterkurse. Hier können Schüler*innen bewusst am Vormittag künstlerisch aktiv werden, diese besonderen Schulprojekte werden fächerübergreifend zwischen den Künsten und den Naturwissenschaften von Lehrer*innen, aber auch von Künstlern*innen, Tänzer*innen, Fotograf*innen, Sounddesigner*innen, Filmemacher*innen, Theaterpädag*innen, Choreograph*innen und Filmkünstler*innen angeleitet. Alle Vorhaben sind zwischen den Künsten und den Naturwissenschaften angesiedelt. Meine Schüler*innen der Talentschmiede Künstlerbuch“ der Schulstufe 5 haben im letzten (ersten) Jahr dieser neuen Talentschmiede eigene Künstlerbücher entwickelt, die sich inhaltlich auf die von Ihnen selbst gewählten Themen beziehen. Einzige Vorgabe war, dass sich die eigenen Themen möglichst an (natur-) wissenschaftlichen, biologischen, tier- und pflanzenkundlichen oder klima- und umweltbezogenen Phänomenen orientieren.